Unter westfälischen Eichen

Um das veraltete Erziehungswesen zu ändern, kamen im Sommer 1930 berühmte Erzieher, Lehrer und Schriftsteller auf einem Gutshof in Telgte zusammen. Hatte die Reformpädagogik eine Chance gegen den drohenden Faschismus?

Der historische Roman erzählt von großen Menschen, die keine Helden waren.

„Die kleine Kraft, welche Not tut, einen Kahn in den Strom hineinzustoßen, soll nicht mit der Kraft des Stromes,der ihn fürderhin trägt, verwechselt werden: aber es geschieht fast in allen Biographien.“

Friedrich Nietzsche
(1880): Menschliches, Allzumenschliches


„Man wird, wenn man Geschichten schreibt, sehr oft gefragt: ,He Sie, ist das, was Sie geschrieben haben, auch wirklich passiert?‘ Besonders die Kinder wollen das immer genau wissen. Da steht man dann da mit seinem dicken Kopf und zieht sich am Spitzbart. Manches in den Geschichten ist natürlich wirklich passiert, aber alles? Man ist doch nicht immer mit dem Notizblock hinter den Leuten hergesaust, um haarklein nachzustenographieren, was sie geredet und getan haben! Oder man wusste noch gar nicht, als ihnen dies und das zustieß, dass man jemals darüber schreiben würde! Ist doch klar, nicht?
Nun stellen sich aber viele Leser, große und kleine, breitbeinig hin und erklären: ,Sehr geehrter Herr, wenn das, was Sie zusammengeschrieben haben, nicht passiert ist, dann lässt es uns eiskalt.’ Und da möchte ich antworten: Ob wirklich passiert oder nicht, das ist egal. Hauptsache, dass die Geschichte wahr ist! Wahr ist eine Geschichte dann, wenn sie genauso, wie sie berichtet wird, wirklich hätte passieren können. Habt ihr das verstanden? Wenn ihr das verstanden habt, habt ihr ein wichtiges Gesetz der Kunst begriffen. Und wenn ihr’s nicht verstanden habt, dann ist es auch nicht schlimm.“

Erich Kästner (1931): Pünktchen und Anton


Was ich in diesem Buch erzähle, hat nie stattgefunden – jedoch wäre im Sommer 1930 ein „Treffen in Telgte“ (Günter Grass) möglich gewesen. Der Roman „Unter westfälischen Eichen“ ist eine historische Fiktion. Keine einzige der dargestellten Personen entspricht einem real existierenden Menschen. Zwar sind nur wenige völlig frei erfunden, und ich habe mich an einige biografischen Daten der genannten Leute gehalten. Die Figuren, deren Handeln, wie auch deren Biografien wurden frei konstruiert. Viele der im Roman aufgenommenen Redebeiträge sind Zitate, die jeder Leser in den gängigen Standardwerken finden kann. Ich wollte authentische Stimmen der Zeit lebendig werden lassen. Und doch habe ich nicht über das Denken, Fühlen und Verhalten eines wirklichen Menschen im Jahre 1930 berichtet, sondern ich habe eine historische, eine mögliche Person beschrieben. Wahr ist meine Geschichte dann, wenn sie hätte passieren können. Zum Schreiben verführt hat mich die historische Fiktion „Das Treffen in Telgte“ von Günter Grass. Dieses Buch wirft nicht nur ein Schlaglicht auf Westfalen, sondern erzählt auch von den versäumten Möglichkeiten eines großen Treffens. Die Faschisten ermordeten im Jahre 1930 siebenundsiebzig kommunistische und sozialdemokratische Arbeiter. Ihre SA- und SS-Horden wirkten bereits drei Jahre vor der Machtübernahme als Streikbrecher und wurden auf Demonstrationen und Arbeiterversammlungen gehetzt. Viele Pädagogen, Psychologen und Schriftsteller, deren Namen in diesem Roman eine Rolle spielen, mussten in den Jahren nach 1930 die begonnene Arbeit einschränken und schließlich niederlegen. Hatten die sie damals eine Chance, das veraltete Erziehungswesen zu ändern?

Die traurige Chronik des gescheiterten Widerstands gegen den Faschismus beginnt in Westfalen sehr früh: Bereits drei Monate nach Hitlers Machtergreifung am 10. Mai 1933 verbrannten die Nationalsozialisten auf dem Hindenburgplatz in Münster die Bücher vieler bedeutender Frauen und Männer. Hitlers Verbrecherbande brauchte also nur drei Monate, um sich in dieser Universitätsstadt durchzusetzen. Und nur zwei Monate dauerte es, bis Hitler zum Ehrenbürger der Stadt Münster ernannt wurde.
Während der faschistischen Herrschaft von 1933 bis zur Befreiung 1945 wurden viele Pädagogen, Psychologen und Schriftsteller verfolgt. Georg Kerschensteiner (1854–1932) und Berthold Otto (1859–1933) haben den Faschismus nur im Frühstadium erleben müssen.

Sehr viele bedeutende Frauen und Männer, die sich 1930 in Telgte trafen, verlegten später ihren Wohnsitz notgedrungen ins Exil. Dazu gehörten:
Alfred Adler (1870–1937), er lebte 1930 noch in Wien
Bertolt Brecht (1898–1956), er lebte 1930 noch in Berlin
Lion Feuchtwanger (1884–1958), er lebte 1930 noch in Berlin
Erich Fromm (1900–1980), er lebte 1930 noch in Frankfurt
Paul Geheeb (1870–1961), er lebte 1930 noch in der Odenwaldschule
Kurt Hahn (1886–1974), er lebte 1930 noch im Schloss Salem
Edwin Hoernle (1883–1952), er lebte 1930 noch in Deutschland
Max Horkheimer (1895–1973), er lebte 1930 noch in Frankfurt
Fritz Karsen (1885–1951), er lebte 1930 noch in Berlin
Kurt Löwenstein (1885–1938), er lebte 1930 noch in Berlin
Maria Montessori (1879–1952), sie lebte 1930 noch in Barcelona und Rom
Alice Rühle-Gerstel (1894–1943), sie lebte 1930 noch nahe bei Dresden
Otto Rühle (1874–1943), er lebte 1930 noch nahe bei Dresden
Anna Siemsen (1882–1951), sie lebte 1930 noch in Berlin
Minna Specht (1879–1961), sie lebte 1930 noch im Landerziehungsheim Walkemühle bei Melsungen
Manès Sperber (1905–1984), er lebte 1930 noch in Berlin

Beim Lehrertreffen in Telgte 1930 waren auch Menschen, die unter dem Faschismus in ihrer Heimat blieben und versuchten, ihre Haut zu retten, ihre Arbeit fortzusetzen oder Einfluss auf die Machthaber auszuüben. Dazu gehörten:
Célestin Freinet
(1896–1966), er lebte 1930 in St. Paul de Vence, wurde später von Faschisten inhaftiert
Wilhelm Krause (1881–1954), er lebte 1930 in Berlin
Martin Luserke (1880–1968), er lebte 1930 auf Juist
Paul Oestreich (1878–1959), er lebte 1930 in Berlin, wurde später inhaftiert
Peter Petersen (1884–1952), er lebte 1930 in Jena
Oskar Spiel (1892–1961), er lebte 1930 in Wien
Mathilde Vaerting (1884–1977), sie lebte 1930 in Berlin und Jena
Einige der Gäste bei dem Treffen im Jahre 1930 wurden von Faschisten und deren Helfershelfern ermordet. Dazu gehörten:
Otto Felix Kanitz (1894–1940, im KZ Buchenwald ermordet), er lebte 1930 noch in Wien
Janusz Korczak (1878–1942, im KZ Treblinka ermordet, zusammen mit Waisenkindern), er lebte 1930 noch in Warschau
Theodor Neubauer (1890–1945, hingerichtet), er lebte 1930 noch in Berlin
Adolf Reichwein (1898–1944, hingerichtet), er lebte 1930 noch in Halle
Alfred Schmidt-Sas (1943 hingerichtet), er lebte 1930 noch in Deutschland
Martin Schwantes (1904–1945, hingerichtet), er lebte 1930 noch in Deutschland

Zur wirtschaftlichen Situation Deutschlands im Sommer 1930 ist folgendes festzustellen: Man zählte 3 Millionen Arbeitslose, ein halbes Jahr später bereits 5 Millionen. 1928 waren noch 1 Million Menschen ohne Erwerb. An der Frage der Beitragserhöhung zur Arbeitslosenversicherung scheiterte im März 1930 die Große Koalition unter dem sozialdemokratischen Reichskanzler Müller. Die Linke war zerstritten, die SPD und KPD hatten keine gemeinsame Strategie gegen den Faschismus. Die Reichstagswahl vom 14. September 1930 endete katastrophal. Die NSDAP, noch 1928 mit 2,6 Prozent eine Splitterpartei, bekam 18,3 Prozent und stellte mit 107 Abgeordneten die zweitstärkste Fraktion hinter der angeschlagenen SPD und vor der gestärkten KPD.

Der Reichsverband der Deutschen Industrie wusste Mittel und Wege, um dem befürchteten Zusammenbruch von Wirtschaftsunternehmen entgegenzuwirken. So sprach der Vorsitzendes des Verbands sächsischer Industrieller bereits Ende 1929 angesichts des Finanzdefizits der Regierung von 1,7 Mrd. RM (dem nur 1,37 Mrd. RM Deckungsmittel gegenüberstanden) eine Drohung an die Volksvertreter aus: „Ist das Parlament seiner Aufgabe nicht gewachsen, (…) dann wird gar nichts anderes übrigbleiben als wieder einmal, wie es ja bereits 1923/24 der Fall gewesen ist, sich auf das Gebiet der Verordnungen zu begeben, was im übrigen eine durchaus zulässige, verfassungsgemäße Sache ist. (...) Ich stehe durchaus nicht isoliert da, wenn ich sage: Ein Ermächtigungsgesetz kann vielleicht noch die einzige Hilfe sein, die aus diesem Elend herausführt. (...) Um diesen Weg zu gehen, braucht man allerdings in erster Linie Zivilcourage, eine Eigenschaft, die bei uns leider nicht wild wächst, und in zweiter Linie bedarf es des Mutes zu vorübergehender Unpopularität.“

Gewidmet ist dieser Roman den erzieherisch tätigen Menschen, die nicht nur hohe Belastungen im Beruf, sondern auch die Verfolgung durch die Faschisten erleiden mussten, in Achtung vor ihrem Leben.

Texte zum Roman „Unter westfälischen Eichen” (2002)

Lion Feuchtwanger
Adam und Eva, die einzigen Figuren, die nicht wirklich in der Zeit dieses Romans lebten.
Hermann Hesse
Kurt Löwenstein
Martin Wagenschein
Erich Fromm
Edith und Paul Geheeb
John Dewey
Bertolt Brecht
Alfred Adler
Kurt Hahn
Das münstersche Original Alfred von Renesse, genannt „der Ziegenbaron“
Edward Flanagan
Anna Siemsen
Max Horkheimer
Edwin Hoernle
Plakat zur Wahlkundgebung Adolf Hitlers in der Halle Münsterland
Janusz Korczak
Maria Montessori
Reformpädagogik in den 1920er
Pawel Petrowitsch Blonski
Georg Kerschensteiner
Célestin Freinet
Anton Semjonowitsch Makarenko
Mathilde Vaerting
Adolf Reichwein

Der Roman „Unter westfälischen Eichen” befreit die großen Reformpädagogen aus ihrer musealen Erstarrung und gibt ihnen eine Bedeutung für die Gegenwart. Wie schon Peter Weiss in seinem Roman „Die Ästhetik des Widerstands“ hat Reinhard Stähling versucht, „die Vergangenheit durch Verknüpfung von Dokument und Fiktion insgesamt in ihrem Wahrheitsgehalt zu erfassen. ” (Jochem 1984, S. 45) Dazu einige andere Texte:

Peter Weiss sagt über die Fiktionalität und Authentizität seines Romans „Die Ästhetik des Widerstands“: „Es gibt im ganzen Roman außer der Hauptfigur keine einzige Gestalt, die erfunden wäre. Ich habe sie dann natürlich behandelt, als seien sie imaginär. Aber der äußere Rahmen, alle Zusammenkünfte, Gespräche, Geschehnisse und Adressen – das ist authentisch.” (Gerlach & Richter 1986, S. 232)

Heinrich Vormweg über den Roman von Peter Weiss „Die Ästhetik des Widerstands“: „Wer kennt in der Bundesrepublik heute noch die Namen der Widerstandskämpfer gegen das Naziregime, die in Hitlers Exekutionskellern enthauptet, gehängt, erschlagen worden sind? (…) Es sind authentische Namen, weitgehend authentische Lebensläufe. Eine beschämende Entdeckung.” (Vormweg 1981, S. 111 )

Gerhard Köpf sagt zu seinem Roman:
„All jenen, die nicht lesen können, ohne nach den Vorlagen der Gestalten zu suchen, die sie in meinem Roman finden, versichere ich ehrenwörtlich, dass nur diejenigen Personen und Orte aus der Luft gegriffen sind, die auch in ihr liegen.“ (Köpf 1987, S. 5)

„Jeder Text ist sekundär, mag er sich auch noch so originell geben. In ihm sprechen neben der Stimme seines Urhebers noch ungezählte andere mit. Er ist also ein Text über frühere Texte.“ (Witte 1993, S. 168)

„Arthur Koestler verweist in dem Buch ‘Der göttliche Funke’ darauf, dass Entdeckungen und Erfindungen – und auch Humor, nebenbei bemerkt – eigentlich niemals oder sehr selten im Entdecken einer vollkommen neuen Sache bestehen, sondern dass die Entdeckungen vielmehr die Herstellung einer bisher unbekannten Beziehung zwischen zwei bereits bekannten Dingen im weitesten Sinne ist. Und er sagt, dass je bekannter jene beiden Dinge für sich sind, desto verblüffender, überraschender und genialer dann diese Entdeckung zu sein scheint.” (Watzlawick 1995, S. 33)

Die Situation von 1930, die im Roman „Unter westfälischen Eichen“ dargestellt wird, ist auch Thema im Roman „Die Ästhetik des Widerstand“ von Peter Weiss. Aus der rückblickenden Perspektive der deutschen Linken im Exil werden die Gründe für die Verluste diskutiert:
Neunzehnhundert Dreißig, da sahn wir, wie die politische Arbeit mit der kulturellen Arbeit zusammenwuchs (…). Schon war manches politische Vorhaben unmerklich zu einer kulturellen Aktion geworden. Durch Aufklärung und Bildung war die Möglichkeit einzugreifen größer geworden (…).
Unsre Literatur, Kunst und Musik, unser Theater, unsre Debatten erreichten ihren Höhepunkt, alles, was in diesem Jahrhundert begonnen worden war, kam zu einer einzigartigen Entfaltung. Wir können uns heute, nach dem alles, was Ausdruckskraft besitzt, auseinandergerissen wurde, kaum mehr vorstellen, was wir damals an Forschungsresultaten, an künstlerischen Manifestationen besaßen. Es waren nicht nur die Werke eines Piscator, Brecht, Weill und Eisler, eines Grosz, Dix, Schlemmer, Nolde, Beckmann und Klee, eines Döblin, Musil, Broch, Jahnn oder Benjamin, es war die gesamte Atmosphäre aus Vitalität, aus unbegrenzter Phantasie, aus Lust am Experimentieren, die das kulturelle Leben ausmachte, jeden Tag gab es neue Entdeckungen, wir waren gewiss, dass nun eine Umwälzung einsetzen werde, um den ganzen Menschen zu ergreifen, und die um so denkwürdiger wäre, als dieses Land zum ersten Mal überhaupt eine nationale Identität erhalten hatte.
Wie aber konnte geschehen, fragte er, dass zugleich mit diesem kulturellen Aufstieg das Niedrigste, das es im Wesen der Menschen gab, zu einer Ausbreitung kam, die sich innerhalb weniger Jahre stärker erwies als alle Klarsicht.
Wie konnten sich diese Meilensteine auf dem Weg zu einem bessern und gerechtern Leben so einfach von der Verdummung umstürzen lassen, wie konnte sich dieser kritische und poetische Geist vom Pöbel vertreiben lassen. (…)
Wie kannst du es dir erklären, fragte er, dass die intellektuelle Kraft, die ein ganzes Jahrhundert hätte prägen können, sich plötzlich verflüchtigte, dass ein Bauwerk, wie es uns aus Büchern, Zeitschriften, Bildern, Gesprächen und Diskussionen entgegenkam, im Handumdrehen aufgelöst war, und nichts als Panik übrigblieb.
Vielleicht entglitt uns die Kultur, sagte Bischoff, weil uns die Politik missglückte. Was wir für fertig hielten, waren Visionen und Utopien. Es stimmt schon, dass der Unterbau aus Erfahrungen stark war, das Bewusstsein gereift und offen. Was erdacht worden war, hätte sich auch verwirklichen lassen, aber in vielem war es doch nur wie der Entwurf zu einer monumentalen Architektur, der Bau selbst fehlte noch. Wir sahn das Richtungweisende, die meisten aber lebten in einer solchen Not, in einem solchen Elend, dass sie nicht genügend Energie besaßen (…).
Da die Kräfte sich immer im Zusammenstoß mit ihren Gegensätzen entwickeln, entstand das sinnvolle in der Kollision mit dem Überalterten, wie dies um so heftiger zurückschlug, je deutlicher die Zeichen der Erneurung wurden. Das was sich verändern wollte, hätte der ständigen Absicherung bedurft. Ja, wir ließen uns täuschen von dem, was wir gewonnen hatten, vergaßen, dass es alles andre noch gab, das, was uns wieder zerstören wollte. (…)
Doch überall dort, wo sich Fortschrittliches bemerkbar machte, rotteten sich dunkle Kräfte zusammen, um es zu Fall zu bringen. Und so hervorragend wie die Leistungen waren, so grandios wurde auch deren Tilgung betreiben, alles was sich einmal befreit hatte, wurde erwürgt.” (Weiss 1983, III, S. 84ff)

„Hättest du, sagte er, eine bürgerliche Erziehung gehabt, so brächtest du auch die Gewissheit mit, dass alles, was auf dich zukommt, dich angeht und deine Meinung herausfordert. (...) Statt dessen trägst du nach wie vor an der Erfahrung deiner Unterlegenheit, du glaubst, es wolle dich keiner anhören (...). Dies, sagte er, habe ich immer wieder in Gesprächen mit jungen Arbeitern erlebt, sie schrecken davor zurück, ihre Kenntnisse weiterzugeben, weil sie erfüllt sind von der Verachtung der andern, weil sie in der Schule schon abseits saßen, als nicht zur Teilnahme an Wissenschaft, Kunst, Betriebsführung berufen (...). Ich wollte ihm widersprechen, wollte ihm erklären, wie viel wir schon gewonnen hatten, musste dann aber doch zugeben, dass wir uns tatsächlich alles nur erbittert im Kampf gegen die Erziehung zur Passivität aneignen konnten (...).“ (Weiss 1983, I, 270)

Peter Weiss äußert 1983 seine Gedanken zu pädagogischen Aufgaben: „Wenn wir versuchen, uns vorzustellen, was sich ändern könnte, dann liegt eine mögliche Lösung schon in den pädagogischen Bezirken, dort, wo die Menschen aufwachsen. (...) Und deshalb immer wieder: Du musst lesen, Du musst dich bilden (...), Du darfst nicht sitzen und alles nur auf dich zukommen lassen, Du darfst dich vor allen Dingen nicht dem Gedanken hingeben, dass Mächtige über dir sind, die doch alles bestimmen (...).” (Arnold 1981, S. 48)

Literatur zum Roman:

(Die mit * versehenen Texte bieten einen vergleichenden historischen Überblick zu einigen am Treffen in Telgte teilnehmenden Personen)

Adamek, Karl 1981: Lieder der Arbeiterbewegung. Frankfurt/M.: Büchergilde Gutenberg

Adler, Alfred 1929b: Individualpsychologie in der Schule. Frankfurt: Fischer 1973

Adler, Alfred 1919–1937: Psychotherapie und Erziehung. Ausgewählte Aufsätze. Hrsg. Ansbacher, Heinz & Antoch, Robert, Frankfurt: Fischer 1982

Ahlmann-Birterheide, Wilhelm (Hrsg.) 1924: Die rote Erde. Leipzig: Brandstetter

*Amlung, Ullrich 1999:Adolf Reichwein. Frankfurt/M.: dipa

Ansbacher, Heinz & Ansbacher, Rowena (Hrsg.) 1982: Alfred Adlers Individualpsychologie. München: Reinhardt

*Arbeitskreis Frauengeschichte 1991: Frauenleben in Münster. Münster: Westfälisches Dampfboot

Arnold, Heinz Ludwig 1983: „… ein ständiges Auseinandersetzen mit den Fehlern und den Missgriffen …“ Heinz Ludwig Arnold im Gespräch mit Peter Weiss (19. September 1981). In: Stefan, Alexander (Hrsg.): Die Ästhetik des Widerstands. Frankfurt a. M., S. 11–58

Baumann, Paul 1959: Berthold Otto. Berlin: Wende

Bergenthal, Josef 1972: Schinken, Korn und Pumpernickel. Münster: Regensberg

Born, Walter 1985: Plattdüütsk is gans anners. Münster: Regensberg

*Brandecker, Ferdinand et al. 1989: Klassiker der sozialistischen Erziehung. Bonn: Orzekowsky

Brecht, Bertolt: Gesammelte Werke (20 Bd.). Frankfurt: Suhrkamp 1967

*Brenner, Hildegard 1976: Asja Lacis. Revolutionär im Beruf. München: Rogner & Bernhard

*Bruder-Bezzel, Almuth 1991: Die Geschichte der Individualpsychologie. Frankfurt: Fischer

Busch-Lüty, Christiane 1989: Leben und Arbeiten im Kibbuz. Köln: Bund

*Casimir, Rommert, von Renthe-Fink, Leonard & Schneider, Robert 1997: Bei den Gründern der Individualpsychologie. Hrsg. Lück, Helmut & Feuerheim, Hermann. Gotha: DGIP

*Datler, Wilfried 1994: Bilden und Heilen. Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag

Dewey, John & Kilpatrick, William Heard 1935: Der Projekt-Plan – Grundlegung und Praxis. Weimar: Böhlaus

Diderot, Denis 1792: Jakob und sein Herr. Frankfurt: Insel 1984

*Dietrich, Theo (Hrsg.) 1969: Unterrichtsbeispiele von Herbart bis zur Gegenwart. Bad Heilbrunn: Klinkhardt

Dietrich, Theo 1991: Die Pädagogik Perter Petersens. Bad Heilbrunn: Klinkhardt

Döblin, Alfred 1929: Berlin Alexanderplatz. München: dtv 1997

Eggert, Heinz-Ulrich 1986: Schon fast vergessen. Alltag in Münster 1933–1945. Münster: Fahle

Fatke, Reinhard & Valtin, Renate (Hrsg.)1997: Sozialpädagogik in der Grundschule. Frankfurt/M.: Arbeitskreis Grundschule

Ferrière, Adolphe 1928: Schule der Selbstbetätigung oder Tatschule. Weimar

*Feuchtwanger, Lion 1930: Erfolg. Roman. Berlin: Aufbau 1973

Fischer, Detlef 2000: Münster von A bis Z. Münster: Aschendorff

Fromm, Erich: Arbeiter und Angestellte am Vorabend des Dritten Reiches. Eine sozialpsychologische Untersuchung. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1980

Gerlach, Rainer & Richter, Matthias 1986: Peter Weiss im Gespräch. Frankfurt a. M.

*Giffel, Herbert 1987: Martin Luserke. Lüneburg: Neubauer

Grass. Günter 1979: Das Treffen in Telgte. Darmstadt: Luchterhand

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Hagstedt, Herbert 1997: Freinet-Pädagogik heute. Weinheim: Beltz

*Hagstedt, Herbert 2000: Die Schuldruckerei – von den Anfängen bis heute. Schiffweiler: Arbeitskreis Schuldruckerei

Hamaide, Amélie 1928: Die Methode Decroly. Weimar: Böhlaus

*Hansen-Schaberg, Inge 1992: Minna Specht – Eine Sozialistin in der Landerziehungsheimbewegung (1918 bis 1951). Frankfurt/M.: Peter Lang

*Heiland, Helmut 1991: Maria Montessori. Reinbek: rororo

Hesse, Hermann 1929: Eine Bibliothek der Weltliteratur. Stuttgart: Reklam 1953

Hesse, Hermann 1930: Narziß und Goldmund. Berlin: Fischer

Hesse, Hermann 1943: Das Glasperlenspiel. Zürich: Fretz & Wasmuth

Hofmann, Franz 1980: Anton Semjonowitsch Makarenko. Köln: Pahl-Rugenstein

Jakobi, Franz-Josef (Hrsg.) 1993: Geschichte der Stadt Münster. Münster: Aschendorff

*Jaretzky, Reinhold 1984: Lion Feuchtwanger. Reinbek: Rowohlt

Jochem, Klaus 1984: Widerstand und Ästhetik bei Peter Weiss. Zur Kunstkonzeption und Geschichtsdarstellung in der “Ästhetik des Widerstands”. Berlin

Kästner, Erich 1931: Pünktchen und Anton. Zürich: Artium 1987

Kempowski, Walter 1979: Unser Herr Böckelmann. Hamburg: Albrecht Knaus

Kempowski, Walter 1976: Immer so durchgemogelt. Erinnerungen an unsere Schulzeit. Frankfurt/M.: Fischer

Kerschensteiner, Georg 1912: Charakterbegriff und Charaktererziehung. Leipzig: Teubner

Kerschensteiner, Georg 1930: Die Seele des Erziehers und das Problem der Lehrerbildung. München: Oldenbourg 1949

*Kluge, Barbara 1992: Peter Petersen. Heinsberg: Dieck

Korczak, Janusz : Wie man ein Kind lieben soll. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1967

Korczak, Janusz: Das Recht des Kindes Auf Achtung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1970

*Kotlan-Werner, Henriette 1982: Otto Felix Kanitz und der Schönbrunner Kreis. Die Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Erzieher 1923-1934. Wien: Europaverlag

*Kraul, Margret 1996: Mathilde Vaerting. In: Grundschule, 28, H 6, S. 57–60

Krewerth, Rainer 1986: Jovel, Schofel, Apenköster etc. – Münsterländisches Schimpfwörterbuch. Münster: Coppenrath

Köpf, Gerhard 1987: Die Erbengemeinschaft. Roman. Frankfurt a. M.

*Kühn, Axel 1995: Alexander Neill. Reinbek: rororo

*Kunstamt Kreuzberg & Universität Köln (Hrsg.) 1977: Weimarer Republik. Berlin: Elefanten Press

Kunze, Horst & Wegehaupt, Heinz 1985:Spiegel proletarischer Kinder- und Jugendliteratur 1870–1936. Berlin: Der Kinderbuchverlag

*Lehmkuhl, Gerd 1996: Alfred Adler und Elsa Freistadt-Herzka: Biographie und Theorieentwicklung im Widerspruch. In: Z.f. Individualpsychologie, 21, S. 185–189

Limberg, Heribert 1998: Liederbuch für Nordrhein-Westfalen. Wolfenbüttel: Möseler

*Ludwig, Harald 1993: Entstehung und Entwicklung der modernen Ganztagsschule in Deutschland. Köln: Böhlau

Lütge, Jürgen o. J.: Kleine Bettlektüre für herzhafte Münsteraner. Scherz-Verlag 

Mann, Thomas 1930: Mario und der Zauberer. Frankfurt/M: .Fischer 1973

Medynski, E.N. 1952: Anton Semjonowitsch Makarenko. Berlin: Volk und Wissen

Mehnert, Wolfgang (Hrsg.) 1952: Edwin Hoernle. Schulpolitische und pädagogische Schriften. Berlin: Volk und Wissen

Montessori. Maria 1950: Kinder sind anders. Stuttgart: Klett 1952

Musil, Robert 1930/1933/1943: Der Mann ohne Eigenschaften. Reinbek: Rowohlt 1978

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*Pelzer, Wolfgang 1987: Janusz Korczak. Reinbek: rororo

Petersen, Peter & Else 1965: Die Pädagogische Tatsachenforschung. Paderborn: Schöningh

*Porger, Gustav 1921. Pädagogische Zeit- und Streitfragen. Bielefeld: Velhagen& Klasing

*Rattner, Josef 1986: Alfred Adler zu Ehren. Berlin: Verlag für Tiefenpsychologie

*Rattner, Josef 1972: Alfred Adler. Reinbek: Rowohlt

*Richartz, Nikolaus 1981: Die Pädagogik der „Kinderfreunde“. Weinheim: Beltz

*Rückriem, Georg et al. 1981: Ein Bilder-Lese-Buch über Schule und Alltag Berliner Arbeiterkinder. Berlin: Elefanten-Press

*Rüedi, Jürg 1992: Die Bedeutung Alfred Adlers für die Pädagogik. Bern: Haupt

Rühle, Otto 1903: Die Volksschule – wie sie ist. Berlin: Vorwärts

Rühle, Otto 1903: Die Volksschule –wie sie sein soll. Berlin: Vorwärts

Rühle, Otto 1919: Erziehung zum Sozialismus Berlin: Verlag Gesellschaft und Erziehung

Rühle, Otto 1924: Umgang mit Kindern. Buchholz-Freidewald: Verlag Am anderen Ufer

Rühle-Gerstel, Alice 1927: Der Weg zum Wir. München: Reinhardt 1980

Rüttenauer, Isabella 1965: A.S. Makarenko. Freiburg: Herder

Sauermann, Dietmar 1987: Damals bei uns in Westfalen – Vom alten Brauch in Stadt und Land. Münster: Landwirtschaftsverlag

Schäfers, Gottfried 1984: Damals in Münster – Stadtviertel-Geschichten. Münster: Fahle

Schäfers, Gottfried 1986: Münsters Originale. Münster: Fahle

Schedensack, Christiane 2000: Münster im Wandel der Zeit: 1200 Jahre Protest und Widerstand. Zwolle: Waanders

*Schedler, Melchior 1972: Kindertheater. Frankfurt: Suhrkamp

*Scheibe, Wolfgang 1999: Die reformpädagoische Bewegung. 10. Aufl. Weinheim: Beltz

*Schille, Hans-Joachim 1993: Otto Rühle: Individualpsychologie und Pädagogik, sein Leben und seine Marx-Biographie. In: Z. f. Individualpsychologie, 18, S. 224–234

*Schnücker, Elmar 1990: Die Zukunftsschule im Zukunftsstaat. Eine Analyse des Zusammenhangs von Pädagogik, Psychologie und Politik im Werk Berthold Ottos. Bochum: Schallwig

*Schreier, Helmut 1991: John Dewey – Ein Wegbereiter der modernen Erlebnispädagogik? Lüneburg: Neubauer

*Schreiber, Matthias 1997: Martin Niemöller. Frankfurt/ M.: rororo

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*Seidemann-Umbricht, Barbara 1995: Individualpsychologie und Reformpädagogik. Dissertation Zürich. Konstanz: Maus Druck & Medien

*Sennlaub, Gerhard 1980: Spaß beim Schreiben – oder Aufsatzerziehung? Stuttgart: Kohlhammer

Siewert, Klaus 1990: Es war einmal ein kurantes anim... – Textbuch Masematte. Münster: Waxmann

Spiel, Oskar 1947: Am Schaltbrett der Erziehung. Wien: Jugend und Volk

Stein, Erwin 1930: Münster i.W. Berlin: Deutscher Kommunal-Verlag

Strotdrees, Gisbert 1998: Höfe, Bauern, Hungerjahre. Aus der Geschichte der westfälischen Landwirtschaft 1890–1950. Münster: Landwirtschaftsverlag

Strunge, Margret & Kassenbrock, Karl 1980: Masematte. Münster: Selbstverlag

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Wagenschein, Martin: Verstehen lernen. Weinheim: Beltz 1989

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Walz, Ursula 1988: Eselsarbeit für Zeisigfutter. Die Geschichte des Lehrers. Frankfurt/ M.: Athenäum

Watzlawick, Paul 1995: Vom Unsinn des Sinns oder Vom Sinn des Unsinns. München: Piper

Wehle, Gerhard (Hrsg.) 1979: Kerschensteiner. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft

*Weiss, Peter 1983: Die Ästhetik des Widerstands. Roman, Band I, II, III. Frankfurt/M.: Suhrkamp

*Weiss, Peter 1981: Notizbücher 1971–1980 Zwei Bände. Frankfurt a. M.: Suhrkamp

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Witte, Bernd 1993: Gegen die Einheitlichkeitspriester. Zur anthropologischen Dimension der Ästhetik. In: Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.): Stichwort Literatur. Bad Münstereifel, S. 167–187

Wrobel, Dieter 1997: Postmodernes Chaos – Chaotische Postmoderne. Bielefeld: Aisthesis

Zülch, Martin (o. J.): Lehrer und Schüler verändern die Schule. Bilder und Texte zur Freinet-Pädagogik. Frankfurt/M.: AK Grundschule


Reinhard Stähling
Unter westfälischen Eichen
Ilma Kelkheim 2002, 156 S. ISBN 3-926340-05-3
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