Aktuelles vom Theater in der Kreide

Leitung: Reinhard Stähling

Das semi-professionell arbeitende Ensemble um Regisseur Dr. Reinhard Stähling gehört seit 1998 der freien Theaterszene in Münster an. Als eine von vielen Gruppen gibt man sich dort in Geldfragen keinen großen Illusionen hin. Folglich ist der Name Programm: Zwar ohne Geld, doch dafür finanziell unabhängig, gelingt es immer wieder mit einfachen Mitteln kompromisslos und ohne Scheu vor großen Namen erfolgreich Theater zu machen.

Der Erfolg begründet sich vor allem auf dem Konzept, Stücke gegen jede Erwartungshaltung spektakulär und clownesk zu inszenieren, so dass dem in die Handlung einbezogenen Publikum mit viel Turbulenz, reichlich Improvisation und deftigem Spaß in hohem Maße vergnügliches Volkstheater geboten wird. Dabei bleibt der Charakter eines jeden Stückes unangetastet.


Künstlerportrait Reinhard Stähling von Radio Kaktus


Die Produktionen des „Theater in der Kreide“
Der Gewehre der Frau Carrar von Bertolt Brecht
Der gute Mensch von Sezuan von Bertolt Brecht
Herr Puntila und sein Knecht Matti von Bertolt Brecht
Der Kaukasische Kreidekreis von Bertolt Brecht
Bezahlt wird von Dario Fo
Dreigroschenoper von Bertolt Brecht / Kurt Weill
Schweyk im zweiten Weltkrieg von Bertolt Brecht
Turandot von Bertolt Brecht
Leben des Galilei von Bertolt Brecht
Ich bin das Volk von Franz Xaver Kroetz 
Mutter Courage und ihre Kinder von Bertolt Brecht
Der Hofmeister von J.M.R. Lenz / Bertolt Brecht 
Biedermann und die Brandstifter von Franz Xaver Kroetz
Die Physiker von Max Frisch
Die Ausnahme und die Regel von Bertolt Brecht


Die 2002 Inszenierung:
Die 2003 Inszenierung:
Die 2004 Inszenierung:
Die 2005 Inszenierung:
Die 2007 Inszenierung:
Die 2008 Inszenierung:
Die 2009 Inszenierung:
Die 2010 Inszenierung:
Die 2011 Inszenierung:
Die 2013 Inszenierung:
Die 2015 Inszenierung:
Die 2017/18 Inszenierung:

Bertolt Brecht: Die Gewehre der Frau Carrar

Ab 2019 in Zusammenarbeit mit  Isabel Lipthay und Martin Firgau (Musik-Gruppe Contraviento)  www.contraviento.de und mit Thomas Schnellen (Musik)

Die Lieder zur Premiere:

„Bella Ciao“
Bekannt ist vor allem die Version des Partisanenliedes aus der Zeit des zweiten Weltkrieges. Das ursprüngliche Lied aber wurde schon 1906 dokumentiert und hat einen ganz anderen Text. Diese Fassung war es, die die Italiener der internationalen Brigaden mit nach Spanien brachten:
Reispflückerinnen aus dem Norden Italiens sangen es. Es beklagt die harten Arbeitsbedingungen der Frauen unter stechender Sonne und die Mückenplage in den Sümpfen. Es trägt Züge eines Protestliedes gegen den Chef, der „mit einem Stock in der Hand“ die Arbeit überwacht, das Leben der Frauen „aufzehrt“ und obendrein wenig zahlt. Doch eines Tages, so hofft die Erzählerin, werden die Frauen „in Freiheit“ arbeiten.

Szene 1:
 „Dime dónde vas Morena“ – „Sag mir, wohin gehst Du, Morena (dunkelhaariges Mädchen)" 

 Sag mir, wohin gehst Du, Morena?
Wohin gehst du um drei Uhr morgens?
Ich gehe zum Gefängnis von Oviedo, die Pazifisten besuchen,
 die dieser faschistische Schurke eingesperrt hat. 

Warum gehst du weinend, wenn du gerade erst aufgestanden bist?  
Warum gehst du weinend, warum singst du nicht mehr?
Ich singe um meine Brüder, um meine Tapferen,
die sie eingesperrt haben in Käfigen aus glühenden Eisen.

Sag mir dunkelhaariges Mädchen, was trägst du in diesem verschlossenen Krug?
Sag mir Morena, was trägst du mit dir um drei Uhr morgens?
Ich nehme das Blut mit, das durch die Täler von Soria fließt,
um es auf die Faschisten zu schütten, damit sie Erinnerung bekommen.
Refrain:  Wenn du ein Mädchen von hier heiraten möchtest,
musst du nach Madrid gehen und ein Gewehr greifen. 

Szene 2: 
„Die Moorsoldaten“Das berühmte Lied „Die Moorsoldaten“ entstand zu Beginn der Nazizeit in den Emslandlagern bei Papenburg. Die deutschen Brigadisten brachten es mit nach Spanien, wo es bald in mehreren Sprachen gesungen wurde.


Szene 3: 
„Viva la Quince brigada“ – Strophen 1 bis 4 
Wer war Carmela? Wer war sie, diese viel besungene Frau?
Carmela waren „alle Frauen“, die für die spanische Republik kämpften.
Dieses bekannte Lied, mit dem Refrain: „Ay Carmela“ war der XVten Brigade gewidmet, die sich aus Freiwilligen der internationalen Brigaden und Republikanern zusammensetzte.
Die XV Brigade war an der Schlacht von Jarama und der am Ebro beteiligt. 

Szene 4: 
 „Viva la Quince brigada“ – Strophen 5 bis 6 Pause.

Danach aus dem Foyer in den Saal mit 
- „Si me quieres escribir“ (Anonym)
1 Wenn Du mir schreiben möchtest, so kennst Du meinen Aufenthaltsort an vorderster Front, an der ersten Linie des Feuers.
2 Wenn Du gut, günstig und in guter Weise essen möchtest an der Front - da gibt es ein Restaurant.
3 Am Eingang des Gasthauses befindet sich ein Maure Mohamed der sagt Dir: "tritt ein, was möchtest Du essen".
4 Das erste Gericht, das sie geben, sind zermürbende Granaten, der zweite Maschinengewehrfeuer zur Erinnerung.

Szene 5:
 
„Qué Dirá El Santo Padre“ (Violeta Parra, Chile)
Julián Grimau war ein spanischer Kommunist, der im Spanischen Bürgerkrieg kämpfte und nach einer Zeit des Exils in Lateinamerika und Frankreich wieder nach Spanien in den Untergrund zurückkehrte. Er wurde verhaftet, zum Tode verurteilt und - trotz großer internationaler Proteste - am 20. April 1963 hingerichtet. Unter diesem Eindruck schrieb Violeta Parra das Lied mit dem Refrain "Was wird der Heilige Vater sagen, der in Rom lebt, dass sie seine Tauben schlachten?". In Chile war es zeitweise verboten, weil sich die katholische Kirche angegriffen fühlte 

Szene 6: 
 „Anda Jaleo“ bzw. „El tren blindado“
ist ursprünglich ein Andalusischer Tanz, der von Federico Garcia Lorca gesammelt und bearbeitet wurde. Im spanischen Bürgerkrieg erhielt das Lied einen neuen Text, bei dem es um einen gepanzerten Zug geht, der die Faschisten und Generäle in die Flucht schlagen soll. Im Original heißt es: Ich stieg auf eine grüne Pinie, zu sehen, ob ich sie erspähe; doch ich erblickte nur den Staub der Kutsche, die sie fort trug. (…) Umgedichtet wurde es zu: Steig ich mal auf eine Pinie um zu sehen, ob Franco ankommt, drunten den Panzerzug seh’ ich wie das Ding zischend herankommt. Refrain: Anda, Jaleo, Jaleo, Pfeift unsere Lokomotive und Franco, der geht vorüber. (…) 

Szene 7:

„Los cuatro muleros – los cuatro generales“ 
Federico Garcia Lorca hat dieses alte spanische Volkslied bearbeitet und überliefert. Dabei geht es um vier Maultiertreiber. Im spanischen Bürgerkrieg wurde es in „Die Herren Generale“ umgetextet. Es gibt noch viele Beispiele von bekannten alten Melodien und Volksliedern, die zu bestimmten Ereignissen neue Texte bekamen und teilweise auch in anderen Sprachen gesungen wurden. Federico Garcia Lorca war ein berühmter spanischer Dichter, der schon einen Monat nach Ausbruch des Bürgerkrieges von den Schergen Francos ermordet wurde. Er war 38 Jahre alt. Lorca war nicht nur Dichter. Er schrieb Theaterstücke, sammelte Volkslieder und bearbeitete sie musikalisch. In seinen Briefen und Schriften finden sich auch viele Zeichnungen.

Szene 9:
„En España las flores“ - „Die Blumen in Spanien“
(anonym)
Am 1. April 1939 verkündete Franco das Ende des Bürgerkrieges und proklamierte das falangistische Regime. Der Schmerz des spanischen Volkes über den Beginn der Diktatur drückt sich in diesen Zeilen aus: Die Blumen in Spanien, die im April blühen, blühen nicht mit Freude, sondern unter Schmerzen. Drei Jahre wurde geschossen, tausend Jahre wird es so weitergehen, dass das spanische Volk sich dem Gewehr gegenübersieht. Die Blumen in Spanien wollen nicht mehr leben, weil das spanische Volk im April starb. Doch die Blumen kommen wieder. Wer sie töten will, der denkt nicht daran, dass die Blumen jedes Jahr im April blühen. Spanien ist nicht gestorben, es kann niemals sterben, denn das Volk und die Blumen bringt das Gewehr nicht um. 

Ende

  „No pasarán!“ –
„sie werden nicht durchkommen!“ Diese Losung ging um die Welt. „Die Söldner, die Franco schickte, wollen Madrid einnehmen. Solange aber Milizionäre da sind, werden die Söldner nicht durchkommen! No Pasarán!  

Internationale Brigaden.
Quelle: Deutsches Bundesarchiv
Der Schriftsteller Ludwig Renn, Chef des Stabes der XI. Internationalen Brigade, (rechts) mit dem norwegischen Dichter Nordahl Grieg (Mitte) der 1937 in Spanien kämpfte. Quelle: Deutsches Bundesarchiv
Ausbildung franquistischer Soldaten durch die „Legion Condor“ . Quelle: Deutsches Bundesarchiv

Der spanische Bürgerkrieg (1936–1939) war das grausame Massaker an einem Volk, das von seiner Freiheit träumte. Ein kurzes Brecht-Stück, das dem Elend des spanischen Bürgerkrieges auf die Schliche kommt. Gespielt vom Theater in der Kreide, Münster. 80 Jahre nach Ende des spanischen Bürgerkriegs.Fast jedes Jahr präsentiert die Gruppe um Regisseur Reinhard Stähling ein neues Brecht-Stück – frech, aktuell und überraschend.

Aufführungen

Datum/Beginn Ort Kontakt
Sa. 09.03.2019, 19 Uhr Premiere Bürgerhaus Bennohaus, Bennostraße 5, 48155 Münster, www.Bennohaus.info
Hier gibt es Tickets online:  
online oder  Vorverkaufsstellen.
0251 60967-3
Sa. 30.03.2019, 19 Uhr Kap.8, Bürgerhaus Kinderhaus, Idenbrockplatz 8, 48159 Münster,  www.stadt-muenster.de/kap8
0251 492-4150
Fr. 12.04.2019 Brauerei-Saal der DAB-Brauerei, Steigerstr. 20, 44145 Dortmund, Veranstaltung der Rotarier Dortmund, Kartenvorbestellung bitte über Petra Schulte, Tel. 0176 3079 6765.
Sa. 11.05.2019, 19 Uhr Dieses Mal mit Isabel Lipthay und Martin Firgau !!! AKM, Alevitisches Kulturzentrum Kültürmerkezi, Kirchstraße 85, 45888 Gelsenkirchen. Keine Kartenvorbestellung möglich.
Sa. 29.06.2019, 19 Uhr Friedenskapelle Senden, Anfahrt Grüner Grund 5, 48308 Senden, www.kukisenden.de
Vorverkauf: Buchhandlung Schwalbe, Tel. 02597 98244 
02597 98683
Sa. 28.09.2019, 19:30 Uhr Havixbeck, genauer Aufführungs-Ort (Schulaula) wird noch bekannt gegeben.

Contraviento zum 8. Mai:

Am Mittwoch dem 8. Mai jährt sich zum 74. Mal das Kriegsende und wir begleiten die Gedenkveranstaltung „8. Mai: Erinnern heißt handeln!“ ab 18 Uhr am Zwinger in der Promenade musikalisch. Dabei wird unser Duo Contraviento (Isabel Lipthay und Martin Firgau) gemeinsam mit Karl Figueroa (Cello) und Francisco Sepúlveda (Viola) auftreten und auch die Singer-Songwriterin Martje Saljé (die Türmerin) wird einen Teil des Kulturprogramms gestalten. Veranstalter ist das „Bündnis 8. Mai“, hier gibt es den Flyer als PDF zum Download: https://www.contraviento.de/pdf/2019_05_08_flyer.pdf

Zwei Lieder haben wir für diesen Anlass ausgesucht:- Para la Guerra nada („Für den Krieg nichts“) von Marta Gomez aus Kolumbien ist ein pazifistisches Antikriegslied, das sich ausmalt, wie die Welt aussehen könnte, wenn wir all unsere Kraft und Energie in Projekte für den Frieden stecken würden, die nachhaltig und im Einklang mit der Umwelt stehen und nichts mehr in zerstörerische Projekte, "nichts für den Krieg!".- Freedom Lost („Die verlorene Freiheit“) von Eric Bogle gründet sich auf diese bekannten Zeilen von Martin Niemöller: „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“ (Martin Niemöller)

Im Chorus sagt Eric Bogle (freie Übersetzung): „Freiheit ist eine zerbrechliche Blume, wenn sie in einem menschlichen Herz blüht, hat sie Stärke und Kraft. Aber mit einem Augenblinzeln, mit einem Federstrich, kann sie von ihnen für immer zerstört werden.“ Eric Bogle hat dieses Lied 2016 geschrieben. Der schottische Friedensaktivist und Musiker mit Wahlheimat Australien wurde in Deutschland bekannt durch sein Lied "Nomans Land" über den sinnlosen Tod einen 18jährigen namenlosen Soldaten im ersten Weltkrieg. Es wurde von Hannes Wader ins deutsche übertragen als "Es ist an der Zeit". Für uns ist die Aufführung dieses Liedes im Quartett mit Karl Figueroa und Francisco Sepúlveda zu diesem Anlass etwas ganz Besonderes und wir laden Euch herzlich ein, am Mittwoch ab 18 Uhr am Zwinger live dabei zu sein!

Premiere im Bennohaus
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Theaterkritik in den WN vom 11. März 2019
Theaterkritik in den Westfälischen Nachrichten vom 11.03.2019
Bei Proben
Isabel Lipthay und Martin Firgau 
Thomas Schnellen
 
Plakatentwurf
Astrid Eich
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Karsten Ritter
Kolja Eicker
Petra Schulte
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Martin Firgau
 Reinhard Stähling
 Sevim Ateş
 Anja Knösing